29.03.2019

Stimmung bei Dieselfahrverbot kippt

Seit Januar gilt in Stuttgart ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge. Die Zustimmung dafür ist in Baden-Württemberg nun drastisch gesunken - auch bei Grünen-Anhängern. Das berichten die Stuttgarter Zeitung und der SWR.

Bevor Anfang des Jahres das Dieselfahrverbot in Stuttgart eingeführt wurde, stand fast die Hälfte der Baden-Württemberger dem Fahrverbot positiv gegenüber. Das hat sich jetzt geändert: Nur noch jeder Vierte sieht in Fahrverboten den richtigen Weg, wie der neueste Baden-Württemberg-Trend zeigt, den Infratest dimap im Auftrag von SWR und "Stuttgarter Zeitung" erstellt hat.

Damit sind drei Monate, nachdem ältere Dieselfahrzeuge nicht mehr nach Stuttgart fahren dürfen, die Fahrverbots-Gegner mit 68 Prozent in der Mehrheit. Und sie haben deutlich zugelegt: Im September vegangenen Jahres hielten sich Befürworter und Gegner noch in etwa die Waage. 7 Prozent der Befragten wollten zum Thema aktuell keine Angabe machen.

Selbst bei den Anhängern der Grünen, die im Herbst mit 60 Prozent die stärksten Verfechter des Fahrverbots gewesen waren, ist das Meinungsbild gekippt. Nur noch 40 Prozent von ihnen sprechen sich für das Fahrverbot in der Landeshauptstadt aus. Bei den SPD-Anhängern sieht es ähnlich aus. Die Anhänger von CDU, FDP und AfD waren bereits im September mehrheitlich gegen Fahrverbote. Diese Ablehnung hat in den vergangenen Monaten noch deutlich zugenommen.

Das ist auch bei den Stuttgarterinnen und Stuttgartern der Fall. Auch bei ihnen ist die Mehrheit nun gegen das Fahrverbot. Zwar gibt es mit 35 Prozent mehr Befürworter, als im Landesdurchschnitt - im September waren es aber noch 55 Prozent. Die Stuttgarter Bürger sind bisher vom Fahrverbot verschont geblieben: Für sie gilt das Fahrverbot erst ab dem 1. April 2019.

Der Handelsverband hatte bereits Anfang Oktober vergangenen Jahres mit Nachdruck davor gewarnt, Fahrverbote einzuführen und diese als „unverhältnismäßig und auch unverantwortlich gegenüber allen betroffenen Gewerbetreibenden, Pendlern und Besuchern der vor Fahrverboten stehenden Innenstädte“ kritisiert. Vor allem der innerstädtische Handel habe unter der Entscheidung zu leiden, sagte Hagmann damals.

Nach einer eigenen Umfrage des Handelsverbands vor wenigen Wochen bei etwa 150 Einzelhändlern gaben knapp 75 Prozent der Befragten an, negative Auswirkungen für ihr Geschäft zu registrieren. „Bisher waren die vorliegenden Ergebnisse eher so eine Ahnung“, sagte HBW-Hauptgeschäftsführerin Hagmann, „nun haben wir harte Fakten.“ Die negativen Folgen des Fahrverbots sind laut der Umfrage in allen wichtigen Bereichen eines Handelsgeschäfts spürbar – sowohl bei der Kundenstimmung, die sich stark verschlechtert habe, als auch bei Umsatz und Kundenfrequenz, die nach Beobachtung der Händler ebenfalls nach unten gegangen sind.