Stärkung des Einzelhandels

Stärkung des Einzelhandels

Nach einer Landtags-Debatte über die Zukunft des Einzelhandels im Südwesten hat sich der Handelsverband Baden-Württemberg erfreut gezeigt. „Es ist ein wichtiges, starkes und gutes Signal, dass die Landespolitik die wirtschaftliche Bedeutung des Handels anerkennt und diese künftig stärken will. Der Handel steht mitten in und vor weiteren großen Herausforderungen, die ihm die Digitalisierung, der Fachkräftemangel, die problematische Logistik im Land inklusive Fahrverbote und die immer stärker werdende Bürokratie aufbürdet. Hier benötigt der Handel Rückendeckung und aktive Unterstützung von Seiten der Politik“, sagte Hermann Hutter, der Präsident des Verbands.

Die Landesregierung hatte Anfang dieses Monats das Dialogprojekt „Handel 2030“ gestartet – unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Partner der Initiative sind neben dem Handelsverband der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag, der Städtetag Baden-Württemberg, der Gemeindetag, die Gewerkschaft ver.di und der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband.

Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut kündigte am Donnerstag in der Landtagsdebatte an, mit dem Dialogprojekt „das gesamte Thema mit allen Facetten und allen Partnern in den Blick zu nehmen“.  Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Claus Paal, der das Dialogprojekt mitinitiiert hatte, sagte mit Blick auf das Dialogprojekt: „Wir müssen den stationären Handel sichern und unsere Innenstädte attraktiv halten.“ Paal strich zudem die wirtschaftliche Bedeutung des Einzelhandels für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg heraus.

Auch Andrea Lindlohr, die wirtschaftpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion betonte: „Lebendige Innenstädte brauchen einen lebendigen Einzelhandel. Das ist auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe.“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Boris Weirauch sprach die Rahmenbedingungen des lokalen Handels an: „Es muss dafür gesorgt werden, dass der Einzelhandel gut erreichbar bleibt. Fahrverbote sind da Gift!“

Prof. Dr. Erik Schweickert, der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag forderte „kluge Infrastruktur-Konzepte für den Einzelhandel“. Fahrverbote lehnte er ebenfalls ab.

Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands, ergänzte:

Auch der Handelsverband Baden-Württemberg fordere seit langem einen Masterplan zur Mobilität der Zukunft. „Dieser Masterplan muss, jenseits ideologischer Ansätze ein Zukunftskonzept darstellen, das alle Interessen bedient“, so Hagmann, die weiterhin betonte:

„Der Facheinzelhandel in den Innenstädten bietet nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern belebt auch die Innenstädte und schafft Frequenz für andere Branchen, wie beispielsweise freie Berufe, Gastronomie und Hotellerie. Auch der Tourismus wäre dann betroffen. Denn ohne einen starken Einzelhandel kann es keinen starken Tourismus geben. Der Eintagestourist kommt zum überwiegenden Teil in die Innenstädte aufgrund des Einzelhandels, aber auch für einen Mehrtagestouristen spielt der Einzelhandel eine wichtige Rolle. Ein starker Einzelhandel ist dementsprechend für alle Branchen in Baden-Württemberg wichtig!“

Der Handel stellt den drittgrößten Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg dar – mit 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, etwa 18.000 Auszubildenden und einem Umsatz von etwa 90 Milliarden Euro.

„Es ist klar, dass die immensen Herausforderungen, die an den Facheinzelhandel gestellt werden, nur gemeinsam mit der Politik geschultert werden können“, sagte Hagmann. „Für uns und die Händler ist es überlebensnotwendig, dass insbesondere für die Zukunft des Handels zeitgemäße, verhältnismäßige sowie intelligente Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.“

Vor diesem Hintergrund sei das von der Landesregierung gestartete Dialogprojekt „Handel 2030“ enorm wichtig für die gesamte Branche und besitze eine hohe Symbolkraft.

„Es freut uns, dass wir hier in einen Dialog mit der Politik treten können. Das ist ein wichtiger Schritt für beide Seiten“, sagte Hagmann.

Von dem Dialogprojekt erwarte sie sich fruchtbare Handlungsempfehlungen und konkrete Zeitpläne. „Der Handel in Baden-Württemberg erhofft sich nicht nur Unterstützung der Politik, er benötigt auch die Gewissheit, wie diese aussehen wird.“