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Handelsverband warnt: Bürokratiebelastung nimmt dramatische Ausmaße an – 2018 bringt Umsatzplus

28. Mai 2018

Der stationäre Einzelhandel im Südwesten ist ins Jahr 2018 mit einem Umsatzplus von real 1,1 Prozent im ersten Quartal gestartet. Dabei liegt er erneut hinter dem Bundesdurchschnitt. Für den März weist das Statistische Landesamt für den Handel im Südwesten einen Umsatzzuwachs von 1,0 Prozent (real) aus, für Februar liegt das Plus bei 0,6, für Januar bei 2,0 Prozent. Immer besorgter zeigen sich die Händler angesichts der zunehmenden Bürokratie-Belastung - auch der Attraktivitätsverlust der Innenstädte und zunehmender Wettbewerbsdruck machen der Branche zu schaffen.

 

Das Thema Bürokratiebelastung beschäftigt die Branche – das zeigt sich auch in einer Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg unter mehr als 100 Mitgliedsunternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen. Demnach landet der Punkt „Belastung Mittelstand durch Bürokratie“ auf Platz Eins in der Liste der TOP-Themen der Unternehmen – mit massiv gestiegenen prozentualen Anteilen gegenüber dem vergangenen Jahr.

Das Thema Kaufzurückhaltung (Platz Zwei) hat sich im vergangenen Jahr direkt auf die Geschäftsbücher der Einzelhandelsbetriebe niedergeschlagen. Nur 18,7 Prozent der Befragten waren im 2. Halbjahr 2017 im Umsatzplus gegenüber dem Vorjahrszeitraum. Zum Vergleich: Im 2. Halbjahr 2016 waren es noch 26,0 Prozent gewesen. Knapp 45 Prozent mussten im 2. Halbjahr 2017 ein Minus verbuchen (37,5 Prozent im 2. Halbjahr 2016), 36,7 Prozent der Geschäfte meldeten ein Pari (36,5 Prozent im 2. Halbjahr 2016).

Bei den Umsatz-Aussichten für das erste Halbjahr 2018 äußerte sich die überwiegende Mehrheit der Befragten optimistisch im Vergleich zum Ist-Umsatz im 1. Halbjahr 2017: Über 75 Prozent erwarten ein Plus zum Vorjahr oder zumindest stabile Umsätze.

Allerdings befürchten auch 24,8 Prozent der befragten Handelsunternehmen ein Minus. Zum Vergleich: Bei den Umsatz-Erwartungen für das 1. Halbjahr 2017 lag dieser Wert noch bei rund 29,4 Prozent.

Für die Herausforderungen der Zukunft ist die Branche bestens gerüstet: Laut einer Studie des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg ist der Handel im Südwesten überdurchschnittlich digitalisiert. Die für die Studie befragten Handelsunternehmen sind zu 56 Prozent und damit zu 20 Prozentpunkten mehr als bundesweit von der sehr hohen Wichtigkeit der Digitalisierung überzeugt.

„Die überdurchschnittliche Digitalisierung der Branche spiegelt den Geist und die Anstrengungen wieder, die im baden-württembergischen Einzelhandel vorhanden sind“, sagt Hermann Hutter, der Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg. Die Digitalisierung müsse als Chance begriffen werden – „das sehen unsere Mitgliedsunternehmen wie wir“, so Hutter weiter.

Der Handelsverband unterstützt die Einzelhändler beim Thema Digitalisierung auf breiter Basis – unter anderem durch Weiterbildungsangebote und Workshops.

Fast 30 Prozent des Onlineumsatzes im Handel werden mittlerweile durch Käufe mit dem Smartphone erzielt. Das zeigen aktuelle Zahlen aus dem HDE-Online-Monitor 2018 (www.einzelhandel.de/online-monitor).

Smartphones werden zunehmend auch während des Offline-Shoppings im stationären Laden genutzt. Mehr und mehr schaffen auch stationäre Geschäfte Voraussetzungen für eine stärkere (mobile) Vernetzung beim Shopping. Während die Bedeutung von Tablets für das Online-Shopping begrenzt bleibt, könnten künftig auch Sprachassistenten an Relevanz gewinnen. Trotz der Mobilität werden Smartphones vor allem noch Zuhause zum Shoppen eingesetzt – lediglich die unter 50-Jährigen sind auch verstärkt an anderen Orten aktiv.

Wichtige Weichenstellung: Thema Digitalisierung im Handel

„Eine der Weichenstellungen im neuen Jahr muss im Bereich Digitalisierung erfolgen“, sagt Hutter mit Blick auf das Landesförderprogramm „Digitalisierungsprämie“ des Stuttgarter Wirtschaftsministeriums, das Mitte 2017 kleinere mittelständische Unternehmen branchenübergreifend bei ihren Digitalisierungsvorhaben unterstützte und 2018/2019 neu aufgelegt werden soll. „Dieses Programm ist für den Handel sehr wichtig und es wurde auch dementsprechend gut abgerufen“, sagt Hutter und weiter: „Für die Händler sind die Themen Digitalisierung und Breitbandausbau von existenzieller Wichtigkeit. Daher ist das Land gut beraten, daraus einen Themen- und Förderungsschwerpunkt zu machen. Mit Blick auf Bayern, wo die Förderung an der Stelle noch stärker sei, müsse das Land alles dafür tun, weiterhin ganz vorne mit dabei zu sein.“

Er begrüßt ausdrücklich die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung zur Förderung des Breitbandausbaus. Dies sei eine strukturpolitische Herausforderung, die die Landesregierung vorbildlich vorantreibe, so Hutter.

Doch nun dürfe bei der Förderung und vor allem beim tatsächlichen Ausbau nicht nachgelassen werden. „Für die Breitbandversorgung im Südwesten müssen in den kommenden Jahren noch mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden und diese müssen auch tatsächlich von den Kommunen in Anspruch genommen werden“, fordert Hagmann.

Mehr Investitionen in attraktivere Innenstädte gefordert

Ganz oben in der Liste der TOP-Themen in der Umfrage landete auch das Thema Attraktivität von Innenstädten. „Die nachlassende Attraktivität von Innenstädten ist von höchster Wichtigkeit für unsere Händler“, sagen Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg und Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands. Es gehe darum, die Aufenthaltsqualität in den Städten deutlich zu verbessern und zu erhöhen. „Das müssen nicht immer riesige Investitionen sein, aber eine schöne Atmosphäre, Sicherheit und Sauberkeit in den Innenstädten zu schaffen, ist unserer Meinung nach eine öffentliche Aufgabe“, sagen Hagmann und Hutter.

Sie appellieren an die Kommunen, die vom Land zur Verfügung gestellte Städtebauförderung konsequent zu nutzen. Hagmann und Hutter bewerten das Förderprogramm als „sehr positiv“; für dringende zukünftige Maßnahmen in den Kommunen müsse das Fördervolumen aber stetig aufgestockt werden, und es müsse vor allem aber auch darüber nachgedacht werden, ob und wie diese Fördermittel noch besser eingebracht werden können.

Lobend erwähnt Hagmann deshalb auch das Vorhaben des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), das Thema Digitalisierung noch breiter im Land zu verankern – über die großen Unternehmen und die Metropolen hinaus. So hat das MLR im März einen Ideenwettbewerb „Lokaler Online-Marktplatz“ ausgeschrieben, mit dem Ziel, den innerörtlichen Handel unter Berücksichtigung der Nahversorgungsstrukturen durch einen Online-Marktplatz zu beleben. „Das Vorantreiben des Themas Digitalisierung durch das Land hat enorme Signalwirkung und ist deshalb wichtig und richtig, doch hierfür muss auch genügend Geld in die Hand genommen werden“, so Hagmann.

Ladendiebstahl nach Wegfall der Bagatellgrenze: „Härtere Bestrafung für Bandendiebstahl“

Der Handelsverband Baden-Württemberg begrüßt die angekündigte Abschaffung der Bagatellgrenze bei Ladendiebstahl. „Das ist ein starkes Symbol für den Rechtsstaat aber auch für den Einzelhandel“, sagt Hermann Hutter, „deshalb sprechen wir ein dickes Lob für Justizminister Guido Wolf (CDU) aus.“

Der Handelsverband schätzt den jährlichen Schaden durch Ladendiebstahl auf 500 bis 700 Millionen Euro in Baden-Württemberg. Ein Viertel davon, also 125 bis 175 Millionen Euro, entstünden durch Diebstähle unterhalb der bisherigen Bagatellgrenze, so Hutter

Das größte Problem beim Thema Ladendiebstahl für den Einzelhandel bleibe jedoch bestehen: die Einstellung zu vieler Verfahren. Die im Südwesten laut polizeilicher Kriminalstatistik zurückgegangene Zahl der Ladendiebstähle sei nur ein Erfolg auf dem Papier, so Hagmann. „In der Realität beobachten wir etwas anderes: Nämlich, dass die Händler viele Diebstähle gar nicht mehr zur Anzeige bringen, weil es zu viel Bürokratie verursacht und aus Sicht der Händler meist nichts bringt.“

Mit großer Sorge beobachtet der Handelsverband Baden-Württemberg zudem, dass Fälle der organisierten Kriminalität weiterhin zunehmen. „Neben den finanziellen Folgen stellen diese Form der Eigentumsdelikte vor allem ein großes Gefährdungspotenzial für die Mitarbeiter im Einzelhandel dar“, so Hagmann weiter. Der Handelsverband Baden-Württemberg fordert den Gesetzgeber daher auf, den Strafrahmen für Diebstahl mit Waffen/Bandendiebstahl zu erweitern, sodass eine Bewährungsstrafe nicht in Frage kommt.

Kontakt: Hilmar Pfister, Pressesprecher, Telefon 0711 6 48 64 46, Mobil 0160 7 45 55 15,
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Der Handelsverband Baden-Württemberg vertritt die politischen Interessen von über 40.000 Handelsunternehmen in Baden-Württemberg. Der Handel stellt den drittgrößten Wirtschaftszweig dar mit 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, ca. 18.000 Auszubildenden und einem Umsatz von ca. 90 Mrd. Euro. Der Verband bietet zudem mit der Dienstleistungsplattform www.handel-scout.de eine Art „Wikipedia“ für den Handel an, welche angereichert mit Partnern aus den einzelnen Dienstleistungsbereichen und deren Wissen, für einzelne Bereiche Lösungen darlegen. Das daran angegliederte Weiterbildungsangebot www.handel-scout-akademie.de setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: Präsenzschulungen und ELearning.

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